Deutsche Frauen erleben ihre Sexualität lieber über Hollywoodfilme als mit ihren Männern

Schön warm eingemummelt in meine Kuscheldecke liege ich genüsslich auf der Couch. Ein paar knackig, feurige Kartoffelchips sorgen für das Feuer im Bauch und  wechseln sich ab mit einem süßen, köstlich duftendem Schokoladenstück. Ein Glas Wein steht griffbereit, damit das ganze nicht zu trocken wird. Das ist gemütlich und allem voran ist es eines: sicher! 

Hier unter meiner Decke brauche ich mich niemandem zeigen. 

Muss nicht befürchten im Blick eines anderen, meine eigenen Gedanken zu sehen. Nämlich, dass meine besten Tage vorbei sind. Muss nichts vortäuschen, kein lustvolles Stöhnen erzwingen oder gar nicht vorhandenes Interesse zeigen an einem anderen Körper, dessen Besitzer nur daran interessiert ist, sich zu befriedigen. Da lob ich mir Rosamunde Pilcher, Pritty Woman und wie heißt noch gleich die von Mr. Grey? Sie leben meine Träume, während ich die Chipstüte leere und die Zeit überbrücke bis es Schlafenszeit ist.

Ein trauriges, negatives, überzogenes Bild, das nichts mit dir zu tun hat? 

Dann herzlichen Glückwunsch! 

Du hast meinen ganzen Respekt und bist wahrscheinlich eine Frau, die früh genug angefangen hat, sich ihren eigenen Wert bewusst zu machen. Eine, die weiß, dass man nur bekommt, was man selber ausstrahlt. Eine, die mutig genug ist, sich selbst zu sehen. Die weiß, was sie mag, weil sie sich traut, sich selbst zu spüren, ihre Bedürfnisse zeigt und sich nicht schämt für sich selbst.

Für alle, die sich auch nur ein bisschen wieder erkennen: ich versteh euch! Ich kenne alle diese Gefühle, die Minderwertigkeit, die Scham, die Bilder, wie wir sein sollten und was wir alles tun müssten. Sexualität ist der Puls des Lebens. Sie ist unsere Lebenskraft! Und unser Lustempfinden ein Parameter wie lebendig wir sind. Dabei spreche ich nicht nur vom Zeugungsakt, sondern von sinnlichen Freuden in allen Variationen: körperliches Empfinden, Berührung, Momente der Nähe, eine Begegnung mit uns selbst und anderen. Wir erfahren das Leben über unseren Körper, nicht über unseren Verstand.

Und deshalb bitte ich dich, wenn dir auch nur im geringsten an dir selbst, deiner Tochter, Schwester und Freundin gelegen ist, wach auf und fange an, dich wieder selbst zu erleben. Eine Welt, in der die Lust am Leben nicht nur ein Fernsehfilm ist oder mit sexueller Befriedigung in Verbindung gebracht wird, ist so viel lebenswerter als eine staubtrockene, angstbesetzte und begrenzte Tabu-Gesellschaft. 

Es ist noch nicht zu spät. Lass deine Körpersäfte wieder in Schwung kommen!

Wie ich das meine? 

Geh hinaus in die Natur und rieche voller Lust an einer Blume und nimm sie in dir auf.

Sprich mit jemanden über deine innersten Wünsche, deine Bedürfnisse, deine Träume.

Lauf barfuß durch den Regen.

Frag doch einfach mal jemanden, ob er dich in den Arm nimmt.

Zwinkere einem Fremden zu, nur so, einfach weil das Leben schön ist.

Geh tanzen, nacktbaden, singen, malen, auf den Berg oder in die Disco. 

Es gibt unzählige Dinge zu tun und zu erleben.

Egal was, tu es mit all deinen Sinnen und erfreue dich an deiner eigenen Lust!